In die Stille der Tagesmitte, in das Dümpeln des Alltags, das Plätschern der Belanglosigkeiten und die Abwesenheit jedweder Aufregung, fällt er plötzlich, der Startschuss eines Gedankens. Ein augenbetäubender Knall, ein sichtraubender, die Atmung blendender Donnerschlag. Und während noch der Nachhall die entscheidenden Eingebungsschauer den der Welt zugewandten Rücken hinunter jagt, hetzen sie los. Die Gedanken brechen aus dem Nichts hervor, dass eben noch ein Zuhause war, ein scheinbar sicherer, berechenbarer Rückzugsort. Sie drängeln, schieben, rangeln und hüpfen, ducken sich untereinander oder zwängen sich zwischen anderen hindurch, stürzend taumelnd vorwärts, purzeln durcheinander und klettern aufeinander in die Höhe und aneinander in die Tiefe.
Das innere Auge ist nicht schnell genug auch nur einem von ihnen zu folgen, der Wille nicht stark genug, einen zu fassen und festzuhalten. Hilflos, beinahe verzweifelt, stehe ich und staune; staune über alles was da ist und vorher nicht da war. Staune darüber, dass es noch immer geschehen kann.
Und während ich völlig gedankenüberfahren und ideenüberrollt vor mich hin staune, stehen mir Augen und Ohren offen. Und da ist sie wieder, die vertraute Melodie aus der Ferne. Direkt neben mir kann ich sie hören. Nicht zu beschreiben, nicht oder vielleicht auch nur zu verstehen. Eine Mischung aus allen Lieblingsliedern, die ich je hatte, durchsetzt mit dem jeweils passenden Soundtrack zu all den Entscheidenden Stationen, Situationen und Wendepunkten in meinem Leben.
Ich. bin. am. Leben. Ich atme wieder, das Herz schlägt wieder und der Friede tobt wütend durch meine Adern. Ruhig, aufgelöst, entspannt und aufgekratzt, nehme ich wieder teil am echten Leben. Gerade noch am Ringboden, springe ich wieder auf die Füße zurück, schnelle hoch von den Brettern die die Welt begrenzen, nehme die Deckung hoch und ziehe einen Schlag nach Innen, der hart einschlägt in das Bild das jene sich von mir machten, die mich erst auf den Brettern liegend kennen lernten. Bevor das in sich zusammenstürzende Bild den Boden erreichen kann, habe ich nachgesetzt und mit einer schnellen Schlagabfolge alles pulverisiert, sodass nur noch Staub in den durch die löchrige Arenahalle hereinbrechenden Sonnenstrahlen zu Boden flirrt.
© G.D.
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