Artilleriegranaten schlagen ein, lassen explodierend die Umgebung erzittern, reißen tief den fruchtbaren Mutterboden auf und verursachen dreckigen, brockigen Niederschlag, den die rasiermesserscharfen Kanten der Granatfragmente durchpeitschen. Alles wird von Splittern durchdrungen und verletzt, beschädigt oder zerstört. Die kleinen harten Bruchstücke gehen nieder und bleiben liegen, nachdem sie ausreichend viele Schichten durchschlagen haben und müde geworden sind.

Einer sitzt mit stillem Blick inmitten des von tödlichen Vögeln durchzogenen Braunnebels.

Gestern hat Jemand sich Gedanken über all die Zerstörung gemacht; über all die Dinge, die im Boden lagen um zu wachsen, die durch die Luft gewirbelt und in Stücke zerrissen wurden. An ihrer Stelle liegt nun Metall in den, die Furchen unregelmäßig unterbrechenden, Trichtern. Die Arbeit hat er beweint, die umsonst gewesen zu sein schien. Um das scheinbar zerstörte Leben hat er getrauert. Mit der augenscheinlich wundgeschossenen Natur hat er gefühlt. Jemand saß stumm und wusch mit Salzwasser Straßen in eine dünne Schicht Mutterboden.

Heute denkt Jemand darüber nach, wie sich das Leben zurückholen lässt, sobald der Boden aufgehört hat zu beben; mit was sich die Risse in der Erde wohl am besten verschließen lassen. Er fragt sich, wie wohl der ganze Stahl aus dem Boden geholt werden kann und ob es jemals wieder aussehen wird, wie zuvor. Ihn beschäftigt, was er pflanzen soll und ob es sich überhaupt lohnt, erneut zu sähen. Auch ob es möglich sein wird, all die aufgerissenen Räume und Lücken in der Umgebung wieder zu verschließen, wird er wissen wollen. Die Traurigkeit wird sich mit Wünschen, Hoffnungen und Träumen vermischen.

Morgen, da bin ich sicher, wird Irgendjemand Bäume in Granattrichter Pflanzen und sich darüber freuen, dass schöne, große Bäume verschiedenster Art gepflanzt werden können, ohne dass zuvor ein Loch für die Wurzelballen ausgehoben werden müsste. Zufrieden wird er feststellen, dass ein Pflügen des bereits vollkommen aufgewühlten Bodens gar nicht mehr nötig ist. Bei der Aussaht wird er sich freuen, mit den Altmetallfunden eine zusätzlichen Einnahmequelle erschließen zu können. Es wird wieder ausschließlich Leben vom Himmel fallen, statt Tod, und vieles  Verlorengeglaubte wird sich aufrichten, da es nicht gebrochen sondern lediglich niedergedrückt war oder sich den tobenden Gewalten gebeugt oder vor ihnen versteckt hatte. Die neuen Möglichkeiten werden allen Argwohn und jegliche Unsicherheit zerstreuen, wie der Wind den Brandgeruch verweht haben wird.

Übermorgen vielleicht, lobt Irgendwer die natürliche Anordnung der verschiedenen Bäume und meint, eine so schöne, natürlich ungeordnete Ordnung könne nur die Natur selbst hervorbringen. Womöglich bestaunt er die Fruchtbarkeit des Bodens und die Erträge. Wahrscheinlich fühlt er sich wohl und sicher im Schatten der Bäume, am Rand des Feldes. Und er wird ein Stück verbogenen, rostigen Stahls vom Boden aufheben, zur Erinnerung an diesen wunderbar friedvollen Ort.

Bereits eine Woche später, werden die Ereignisse jedermann ganz unwirklich vorkommen, ja viele werden sich nicht mal mehr daran erinnern können. Jemand wird sich fragen, um was er sich damals Sorgen machte, und worum er zuvor geweint hat. Für Jedermann wird sich alles anfühlen wie zuvor.

Hoffentlich wird sich Einer finden, der die Erinnerung bewahrt um dem nächsten dunklen Regen  Hoffnung und Freude an Stelle des Salzwassers entgegensetzen zu können, denn der schwere Tod wird wiederkehren um die Erneuerung im richtigen Moment zur Rückkehr zu zwingen.

© G.D.