Nach jeder Phase der Asche hatte man sich gefragt, ob überhaupt noch Brandmaterial unter der dicken, schwarzen und grauen, glänzenden Kruste vorhanden sei. Der hartgebackene Panzer sah unbelebt und geradezu versteinert aus. Nach jeder Berührung fühlten sich die Finger wund und kalt an.
Die Zeit kam und nahm – jedes Mal aufs Neue – Ecken und Kanten der Hartschale mit sich. Die Schale wurde blank und glatt, aber sie blieb hart. Stets nahm man an, dass diesmal ausgebrannt sei, was zuvor derart hell in Flammen gestanden hatte, dass umstehende Beobachter unweigerlich einige Schritte auf Abstand gegangen waren.
Und dann, urplötzlich, entzündete sich der Aschemarmor an irgendetwas; manchmal bei einer Berührung, manchmal auch nur an einem Gedanken. Es war nicht zu erkennen, was genau eigentlich brannte, aber erst kleine und dann schnell immer größer werdende Flammen loderten am Rußstein zum Himmel empor. Nach einer Weile des Brennens, begann die Außenseite der Obsidian-Asche wieder Blasen zu werfen, zu schrumpeln, zu spannen und schließlich zu reißen und aufzubrechen.
Nur wer sehr genau hinsah konnte erkennen, dass die Flammen in ungewöhnlicher Farbgebung brannten. Zwar waren sie außen gelb und rot, wie jede andere. Auch wechselte die Farbe nach innen gehend ins Hell- und Dunkelblaue. Aber ganz innen, unmittelbar an der Kontaktfläche der Flamme, erschien sie dunkelbraun und sogar schwarz.
Und genau so brannte der Nachtblock jedes einzelne Mal. Ich glaube daher, dass es nur an dieser besonderen Flamme lag, dass er überhaupt wieder und wieder aufloderte, nach den Phasen des Abkühlens, der Erosion und des Schlafes. Es war die einzige Flamme, mit der er noch brennen konnte, und gleichzeitig das einzige Feuer, dass ihn verbrannte und verbrannte, wieder und wieder, aber nie verzehrte.
© G.D.
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