Still, klar und tief liegen die beiden Seen zwischen zerklüfteten Gipfeln. Leichtes Türkis blendet sanft in abgrundtiefes Blau über. Die beiden Zwillingswasser schweigen den flüchtig Beobachtenden, sei es nun Mond oder Sonne, an, der nur die spiegelglatte Oberfläche wahrnimmt und die eigene Reflexion bestaunt.

Dem Fischer jedoch, der an und mit ihnen lebt, verraten sie ihre Geheimnisse. Nicht alle auf einmal, sondern Stück für Stück, Jahr um Jahr. Jedes Mal, wenn er geduldig mit seiner Nussschale hinaus rudert, belohnt das Wasser ihn mit neuen Entdeckungen – neue Strömungen, Sandbänke, unter der Oberfläche liegende Felsen. (Dinge, die den Unkundigen in ernsthafte Gefahr brächten, ruderte er unvorbereitet und unbekümmert auf die Seen hinaus.) Wenn er (der Fischer) sein Netz auswirft und einholt, findet er Fische darin, die er nie zuvor gesehen hat.

Bei aller Schönheit und all den entdeckten und noch unter dem Spiegel schlummernden Geheimnissen, sind dem Fischer ebenfalls die Gefahren der Seen bewusst. So wagt er sich schwimmend und ohne sein Boot niemals über den türkisfarbenen Bereich hinaus. Schon gar nicht, verlässt er das Boot oder taucht in der Mitte der Seen.

Er ist traurig. Traurig weil er weiß, dass das Wasser ihm gerne mehr verraten möchte. Traurig, weil das nur geht, wenn er sich aus seinem Boot heraus traut und ihn die Seen dann wohl verschlingen würden. Er könnte bis auf den Grund tauchen und Dinge entdecken, die noch niemals zu vor ein Mensch gesehen hat. Aber er weiß, wenn er sich in diese Tiefen vor wagt, wird er dort bleiben. Und noch, gibt es für ihn auch so genug zu entdecken.

Dennoch weiß er auch, dass es ihm eines Tages nicht mehr genügen wird, die Seen nur am Rand und der Oberfläche zu bereisen…

© G.D.