Ein gequälter, langgezogener Schrei, wie ein Stahlträger der über Schotter, Beton und Metall kratzt, aus tiefster Seele, mehr aus dem Bauch als aus dem Hals, gellt durch den dunklen Keller. Ausgespiener Schmerz, geboren in Schall, rast durch die Hallen und prallt an den steinigen Wänden ab. Das Biest erhebt sich vom Verliesboden; erst auf alle Viere, dann auf die Hinterläufe.
Geifer tropft von den braunen Lefzen auf den kahlen Boden herab. Mit Blutgewittern im Weiß der Augen, starren die Obsidianperlen in die Dunkelheit. Wieder flutet brutales Gebrüll grell durch die Korridore. Mit aufgestelltem Nackenfell, struppig und borstig, in den Farben der Schatten, schlägt das Monster die klauenbewehrten Pranken in die Wände und reißt kopfgroße Brocken aus seinem Gefängnis. Die Ketten an Beinen und Hals geben sich den wütenden rohen Gewalten geschlagen und untermalen schwach metallisch klirrend die Wutarie.
Unter den blinden Hieben bleiben schnell nur noch Fetzen der Stahlgitter übrig, die wie überdimensionierte Grashalme zwischen den Bodenquadern emporzuwachsen scheinen. Das Biest brüllt und heult, schlägt vor Wut rasend auf alles ein, was sich in seiner Reichweite befindet und tobt schnaubend durch die Gänge. Die aufgerissenen Pranken bluten und der aufsteigende Blutgeruch betäubt jeden letzten Rest der Vernunft im unförmigen Schädel mit den tiefliegenden Augen und den mehrreihigen Reißzähnen.
Es bleiben nur der Hunger und die sich rasend ausbreitende Gier übrig.
Nach wenigen Augenblicken, gleicht der ehemals ordentliche Keller einer ausgebombten Innenstadt. An etlichen Stellen gibt die Decke zum darüberliegenden Erdgeschoss auf, und die ersten Einrichtungsgegenstände des Wohnzimmer sind zwischen die Felsblöcke herabgerieselt. Wie Puppenmöbel sehen Sie zwischen den urgewaltigen Steinquadern aus, die ehemals zu massiven Kellerwänden gefügt worden waren; errichtet um standzuhalten.
Die eisenbeschlagene Eichentür, die das Verlies vom Erdgeschoss und damit den Wohnräumen trennt wäre von der Bestie mitleidig belächelt worden, wenn sie denn eines Lächelns oder des Mitleids fähig wäre. So zerbröselt das Monster sie mit einem beiläufigen Wischen seiner Pranke, bevor es die Stufen zum Erdgeschoss empor rast, tiefe Riefen im Marmor hinterlassend.
Vom einst stattlichen Gebäude mit dem gepflegten Garten bleibt zuletzt nicht mehr übrig, als von einer Sandburg nach der Flut. Eine leichte Erhebung in der Landschaft, eventuell etwas Verzierung, mehr nicht. Und vielleicht die Erkenntnis, dass regelmäßige Fütterung mehr bewirkt hätte, als eine zusätzliche Mauer, verstärkte Gitter oder die schwerere Kette.
© G.D.
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