Funkelherz, wo bist Du geblieben?

Das Rauschen der Bahn steigt schnell zu Kopf. Die Füße scharren im unregelmäßigen Schotter neben dem Kopfsteinpflaster. Düster lächelt die Sonne herab, auf einen fäkalgetränkten Grünstreifen neben den Drahtgitterbänken. Der Rücken schmerzt von der kurzen Fahrt, die Augen brennen von Abgasen, Staub und Sonne.

Das Herz schweigt.

Ein Gestern, so weit entfernt wie längst vergangene Epochen. Die Erinnerung steht, betonhart und doch unglaubhaft wie eine Fata Morgana, zwischen dem Außen und dem Innen. Trauer kriecht kalt herauf vom flirrenden Asphalt und die Erleichterung, vermischt mit dem süßlichen, im Abgang bitteren Geschmack der Freiheit ergießt sich heiß aus dem Kopf über den Nacken und den Rücken hinab.

Das Herz schlägt flüsternd, überzogen mit Gänsehaut.

Kopfsteinpflaster, wie Fahrbahngänsehaut, drückt sich durch die weichen Sohlen. Schritte führen entlang des Gehwegs, zwischen stinkendem Grün und schottergesäumtem, anders stinkendem Schwarz. Rechts rasen die Konserven von eben nach gleich. Links singen Vögel gegen den Lärm an. Rissen durchziehen die Teerdecke, Brüche zeichnen sich in den Kopfsteinen ab.

Herzmüde, so fühlt es sich an.

Die Knie federn weich ein und der Boden beginnt unterhalb des Rückens. Gehwegplatten fühlen sich hart und warm an, durch den Stoff der Hose. Viele Schläge musste das Herz schon einstecken – Herz-Schläge. Der Kopf blickt gesenkt auf den Boden, die Beine hinab, über die Schuhe hinweg, in die Brüche und Risse hinein. Das Innen fröstelt unfreiwillig klimatisiert in der Hitze der Strahlen, des Bodens, der Gedanken, die wiederum ins Morgen zerren. Die Umkehr fordern und Weiterfahrt.

Die Schläge verlangsamen sich.

Ein Blick zum Himmel, ein Blick zurück. Hand und Arm schieben den willenlos folgenden Rest wieder nach oben. Die Vögel singen rechts, die Reifen surren links. Regentropfen fallen auf die Scheibe. Die Türe schließt sich. Die Räder setzen sich in Bewegung.

Die Schläge enden.

© G. D.